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Die Bier- und Burgenstraße im Naturpark Frankenwald

Die Route zu Kultur und Kulinarischem feiert 2007 das 30-jährige BestehenKronach (FTsc, Saison 2007). Bier und Burgen – das bedeutet: Kulinarisches für den Körper und Kultur für den Geist! Auf der Bier- und Burgenstraße, die als B 85 auf inzwischen 500 km durch die deutschen Lande zieht, gehen Kulinarisches und Kultur eine Symbiose ein, die für den Touristen erlebnisreich nachvollziehbar ist. In 2007 feiert die Bier- und Burgenstraße ihr 30-jähriges Bestehen.

Die Bier- und Burgenstraße, die heute von Passau bis zum Kyffhäuser zieht, entstand 1977 aus einer Idee des Gastwirtes Günter Limmer aus Kulmbach. Somit liegt die Keimzelle der heute etwa 100 Mitglieder umfassenden Bier- und Burgenstraße im Frankenwald zwischen Lauenstein und Kulmbach.

Man betrachte diese "Keimzelle", erlaube sich Abstecher und beginne im Norden, in der "Rennsteigregion im Frankenwald". Sie bezieht ihren Namen von den 13 km, auf denen der Rennsteig als wohl berühmtester Wanderweg Deutschlands Bayern durchzieht. Die Rennsteigregion, zu der die Gemeinden Ludwigsstadt, Steinbach a. Wald, Teuschnitz, Tettau, Tschirn und Reichenbach mit allen Ortsteilen zu zählen sind, geizt nicht mit touristischen Sehenswürdigkeiten: Der Rennsteig führt den Wanderer – und inzwischen auch Radler und Mountainbiker – auf dem Gebirgskamm und vorbei an markanten Grenz- und Wappensteinen, die auch über 40 Jahre lang die beiden Teile Deutschlands trennten und Europa teilten. Die im 12. Jh. gegründete und in wesentlichen Teilen im 16. Jh. erbaute Burg Lauenstein thront über dem Loquitztal wie eine Schutz- und Trutzburg; gegenüber liegt die Thüringer Warte, ein Aussichtsturm, der entlang seiner 117 Stufen die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands fotografisch dokumentiert. Die architektonisch progressive Kirche in Buchbach (Abstecher) setzt einen Kontrapunkt zu den traditionell ausgerichteten Ortschaften, deren Ortsbilder deutlich thüringische Akzente aufweisen. Der Schiefer – dem in Ludwigsstadt ein eigenes Museum gewidmet ist – verkörpert dies allerorten, besonders schön in der Gemeinde Steinbach an der Haide (Abstecher), die schon verschiedentlich Preise für ihre Ortsgestaltung erhalten hat.

Die Industrie – v.a. Glas, Porzellan und Lebensmittel – ist wirtschaftlich bedeutend in dieser Ecke des Frankenwaldes, und einige Produkte besitzen auch eine hohe touristische Anziehungskraft. Sei es das in Tettau (Abstecher) produzierte Porzellan, das u.a. in den Kreml und einst an den Schah von Persien geliefert wurde. Oder seien es die süßen Köstlichkeiten der beiden Confiserien in Lauenstein, edle Pralinen und Trüffel, die ihre Liebhaber in aller Welt haben. All diese Produkte können im Fabrikverkauf erworben werden, so dass die Besucher bei Einkaufstouren die eine oder andere Mark sparen können.

Die erwähnten touristischen Highlights sind eingebettet in die wahre Attraktion: den Wald, der hier dichter und besitzergreifender erscheint als in den anderen Regionen des Frankenwaldes. Er ist der deutlich erkennbare Ausläufer des Thüringer Waldes, und jenseits der bei Steinbach am Wald verlaufenden Wasserscheide, zugleich Konfessionsgrenze, erscheint die Beziehung zu Thüringen beinahe so stark wie das Wissen, politisch und touristisch zum Frankenwald zu gehören. Gleichzeitig bietet der nördliche Frankenwald ein ideales Terrain für Wanderer - z.B. auf dem Rennsteig oder dem neuen Burgenweg - und für Mountainbiker mit 140 Kilometer Strecken bei über 3.200 Höhenmetern.

Weiter auf der B 85 in Richtung Süden, kommt man über Rothenkirchen nach Pressig. Ein Abstecher nach Welitsch und Heinersdorf lohnt sich für die Besichtigung eines Stücks Mauer auf der ehemaligen Zonengrenze und des dortigen kleinen Dokumentationszentrums. Stockheim, agiler Industrieort ein paar Kilometer weiter auf der B 85, ist bekannt für über 250 Jahre Bergbautradition.

Fährt man weiter in Richtung Süden, dauert es nicht lange, bis in der Ferne die Festung Rosenberg auftaucht, das Wahrzeichen der Lucas Cranach-Stadt Kronach. Kronach ist eine mittelalterliche Stadt mit gut tausendjähriger Geschichte und liegt an der Kreuzung der B 173 und der B 85 (Bier- und Burgenstraße) als der wichtigsten den Frankenwald durchquerenden Trassen sowie an dem Zusammenfluss von Haßlach, Kronach und Rodach. Zentrum des gleichnamigen Landkreises, Industrie- und Wirtschaftspol u.a. mit dem Unternehmen Loewe als dem bedeutendsten Arbeitgeber der Region, ist Kronach zugleich nach Ansicht vieler aufgrund ihres mittelalterlichen Charakters die "romantischste" Stadt im Frankenwald. Die untere Stadt mit Geschäften und Dienstleistungseinrichtungen wird überlagert von der von einer Stadtmauer mit nur zwei Zufahrten umgebenen oberen Stadt, der Altstadt mit dem historischen Kern. Dort zeigt sich der pittoreske mittelalterliche Charakter am besten mit alten Bürgerhäusern z.T. aus Fachwerk, mit Brunnen, Türmen und Wehrgängen. Über allem thront erhaben die Festung Rosenberg, mit 23,6 ha eine der größten erhaltenen mittelalterlichen Festungsanlagen Deutschlands. Im Jahr 1999 feierte die pentagon-artig errichtete Anlage ihr 750-jähriges Bestehen; in dieser Zeit wurde sie niemals eingenommen. Besonders sehenswert sind natürlich Burgfried, Wehranlagen und unterirdische Gänge, vor allem aber die Fränkische Galerie als Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums mit Werken u.a. von Tilman Riemenschneider, Veit Stoß und Lucas Cranach, dem berühmtesten Sohn der Stadt – der übrigens auch einem Bier der in Kronach ansässigen Brauerei seinen Namen leiht. Während des Kronacher Stadtspektakels verwandelt sich einmal im Jahr die gesamte obere Stadt für ein Wochenende in eine mittelalterliche Szenerie mit Händlern, Gauklern und Landsknechten. Einige Tage später folgt jedes Jahr der Auftakt zu den Faust-Festspielen Kronach, einem Freilichttheater auf der Festung Rosenberg, das den Besuchern unter anderem Faust I und Faust II gemäß dem Motto "Theater wie Kino" auf fast filmische Weise nahebringt. Unter den zahlreichen weiteren Festen und Veranstaltungen sei noch das Kronacher Freischießen erwähnt, eines der größten Volksfeste Oberfrankens. Im Jahr 2002 hat Kronach die bayerische Landesgartenschau beherbergt, und in 2003 konnte das tausendjährige Bestehen der Stadt gefeiert werden.

Nicht direkt an der B 85, sondern von Kronach in Richtung Westen über einen Abstecher auf der B 303 erreichbar liegt Mitwitz mit seinem fast "verträumt" in einem Park liegenden Wasserschloss. Im 16. Jh. erbaut, gilt es als eines der schönsten in Franken und ist Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen, Seminare und Schlossparkfeste, aber auch immer wieder gerne genommene Kulisse für romantische Hochzeitsfotos. Zwischen Kronach und Mitwitz liegt die Heunischenburg, eine der ältesten Steinbefestigungen Europas aus der vorkeltischen "Urnenfelderzeit" (9. Jh. v.Chr.).

Auf der Strecke von Kronach nach Kulmbach kommt man in das Bierbrauerdorf Weißenbrunn. In dem dortigen Brauer- und Büttnermuseum kann man nicht nur die Exponate dieses Handwerks bestaunen, sondern auch in Seminaren lernen, wie man in alten Zeiten Bier braute. In Weißenbrunn befindet sich die "Jungfer Kättl", der wohl meist fotografierte Dorfbrunnen im Frankenwald. Bei bestimmten Anlässen fließt Bier aus den Brüsten der steinernen Jungfer.

Das südliche Tor des Frankenwald-Abschnitts der Bier- und Burgenstraße bildet Kulmbach, die heimliche Hauptstadt des Bieres und größte Stadt im Frankenwald. Auch Kulmbach, wird von einer Burg überstrahlt: der Plassenburg, einer alten Merianerfeste mit dem "Schönen Hof", einem der schönsten Renaissance-Innenhöfe Europas, und vier Museen, von denen das Deutsche Zinnfigurenmuseum mit dem größten Diorama der Welt das bekannteste ist. Die großen Kulmbacher Brauereien haben sich zusammengeschlossen und begründen den Ruf der Stadt als – gemessen an dem Bierausstoß pro Kopf der Bevölkerung - "Deutschlands heimliche Hauptstadt des Bieres". Das Bayerische Brauereimuseum Kulmbach (3.000 qm Ausstellungsfläche, u.a. mit gläsernem Sudhaus und eindrucksvoller Multivisions-Show) und das zehntägige Kulmbacher Bierfest unterstreichen die "Bierkompetenz". Auch Ausstellungen, klassische Konzerte, Open-air-Veranstaltungen im Schönen Hof der Plassenburg, Verbrauchermessen u.v.m. ziehen Touristen scharenweise nach Kulmbach und setzen damit einen Kontrapunkt zu der Ruhe und Weite des Naturparks Frankenwald.

Die Bier- und Burgenstraße, die sich vom Frankenwald aus in nördlicher Richtung nach Thüringen, in süd-ostwärtiger Richtung nach Ostbayern erstreckt, kommt einer Kette touristischer Attraktionen gleich und vereint dabei kulinarischen Genuss und Kultur. Darüber hinaus ist sie ein Spiegel des Zusammenwachsens der vormals getrennten deutschen Staaten zu einer wirklichen Einheit.

 

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